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Oktober 2017

Genuss-Orte

Köstliches an der Südsteirischen Weinstraße

Oktober 15, 2017
Weinstraße in der Südsteiermark

Der Buschenschank von Eva Lambauer liegt an einem der vielen schönen Aussichtspunkte der Südsteirischen Weinstraße. Der Blick in die Landschaft ist großartig – besonders Frühaufsteher werden belohnt. In den gemütlichen Gasträumen gibt es eigenen Wein und kalte Köstlichkeiten.

Das Morgenrot war heute wieder unglaublich, sagt Eva Lambauer. Ich frage, wann das gewesen sei. „Ach, um 6:30.“ Mist – wieder verpasst. Was muss ich auch immer so lange schlafen …! Allerdings bietet der Himmel auch Stunden später noch ein schönes Spektakel. Wenn sich die Morgensonne über die Weinberge emporhebt und sie in ein warmes licht taucht zum Beispiel. Ein Gefühl tiefer Ruhe stellt sich ein, nur gestört von den wenigen Autos, die um diese Uhrzeit auf der Südsteirischen Weinstraße unterwegs sind. Tief im Tal hängender Frühnebel hat dagegen etwas Mystisches. Der Blick weitet sich nach Osten, teilweise weit ins benachbarte Slowenien hinein. Und diese Aussicht ist natürlich zu jeder Tageszeit schön.

An diesem Vormittag geht es am Steilhang unterhalb des Buschenschanks quirlig zu. Es ist Lesetag. Die reifen Trauben, die später einmal in gekelterter Form in Eva Lambauers Buschenschank auf den Tisch kommen, finden erst einmal den Weg in die Kelterei des Weinguts Tement, wo sie für Lambauer gekeltert werden.

In Lambauers Buschenschank munden die Tropfen dann zu Käferbohnensalat, Gemischtem Käseteller, Hausterrine mit Salat und Apfelkren. Oder zu einer Sulz (Sülze) mit Rettich und Kernöl. Überhaupt: Kernöl! Das schwarze Gold der Steiermark veredelt so einiges an Gerichten aus einfachen Zutaten. Ich schlemme mich durch die kalten Speisen, und ich werde immer mehr zum Fan des Kernöls. Besonderes Schmankerl und nicht jeden Tag erhältlich: Ziegenkäse mit Honig. Ja, der Städter kennt die Kombi aus vielen Cafés, aber man glaube mir: Das schmeckt hier anders. Spezieller!

Natürlich trägt zum Geschmackserlebnis auch die Umgebung dabei, die ohne Übertreibung zauberhaft zu nennen ist. Auch am späten Nachmittag, wenn die Sonne gerade noch über die Hügel im Westen lugt – in dieser Richtung müsste man für den Weitblick etwas gehen – ist das Idyll im Garten des Lambauerschen‘ Buschenschanks in warmes Licht getaucht. Ich sitze von Bäumen beschattet und genieße Ruhe, saftiges Grün und Landluft um mich herum zu den kalten Köstlichkeiten.

Das Äußere wie das Innere des Hauses sind ein bisschen untypisch für die Steirische Weinstraße, wo historische Gebäude meist von der einfachen bäuerlichen Kultur zeugen. Das liegt an seiner Geschichte. Ein General der k. & k. Armee, der aus städtischen Gefilden in die Region verlegt wurde, ließ sich das Haus im 19. Jahrhundert erbauen. Detailgetreu renoviert, erinnert das Ambiente an klassische Stadthäuser. Heute lebt und genießt es sich gut unter hohen Decken und umgeben von Möbeln im Stil des Biedermeier.

Seit vielen Jahren führt Eva Lambauer das Haus und bewirtet gemeinsam mit ihrer 89jährigen Mutter Gäste – solche, die in den Zimmern des Hauses ihren Urlaub verbringen oder nur für einen Buschenschank-Besuch hereinkommen. Dabei wissen beide manche Anekdote oder Begebenheit aus der Küche der Weinlegenden zu berichten. Auch Empfehlungen der schönsten Plätze der Umgebung bekommt man ungefragt.

Wein, Kernöl und all die anderen Köstlichkeiten der Umgebung schmecken scheinbar nicht nur, sondern sind gleichermaßen Kommunikationsverstärker und Jungbrunnen für Körper und Geist.

In den Bergen

Die Natur als Künstlerin: Alpenfluss Soča in Slowenien

Oktober 11, 2017

Die Soča durchfließt die slowenischen Alpen vom Triglav Nationalpark bis in die Küstenebene der Adria bei Trieste. Die Klammen mit verblockten Felsen sind genauso spektakulär wie die Farbe des Alpenflusses.

Das ist ja wirklich so blau wie auf den Fotos, die ich zuvor gesehen habe. Wenn man sie denn mal sieht, die Soča. Denn an vielen Stellen stehen die Felswände, durch die sich der Fluss zwängt, verblockt und verdecken den Blick aufs Wasser. Eine wilde Klamm hat sich die Soča hier in den Kalkstein der Julischen Alpen gegraben. Spektakuläre Abschnitte gibt es einige, wie zum Beispiel hier etwas unterhalb des Dorfes Soča. Beim Kamp Soča und dem Dorf Podklanec starten Pfade, die eine der pittoreskesten Abschnitte begehen. Ich biege ab und zu vom Pfad ab. Sehr schön: Man wird nicht auf langweilige Holzstege gezwungen, die die wilde Natur in eine zivilisiertes Korsett zwängen. Vielmehr geht es kreuz und quer über die Felsen und ich kann mich auch schon mal über den Abgrund lehnen und dem lauten Rauschen und Gurgeln unter mir zuhören.

Was weiteres Staunen erzeugt: Die Farbe ändert sich je nach Lichteinfall, Sonnenschein, Fließgeschwindigkeit und Untergrund. Stromschnellen sind natürlich etwas tolles, aber das ruhige Wasser bietet das intensivste Blau beziehungsweise Türkis.

Berühmt ist die Sofa nicht nur für ihre spektakulären Klammen, auch weiter unten fließt der Fluss naturbelassen in einem breiteren Bett und das ist im Alpenraum sehr selten, fast schon einzigartig. Hoffentlich bleibt dies auch so. Es gab bereits Pläne, die Soča zwecks Energiegewinnung aufzustauen – was eine Sünde höchsten Grades wäre.

Die Hängebrücken verstärken den Abenteuercharakter der Landschaft. Sie haben meist schon bessere tage gesehen und sind schwingungsintensiv.

Eine echte Konkurrenz erwächst – oder besser erfließt – der Soča im eigenen Nebenfluss: Das kurze Flüsschen Tolminka, das bei Tolmin in die Soča mündet, bildet die Tolminska Korita. Am Grund dieser fast 100 Meter tief eingegrabenen Klamm erahnt man nur gerade so, dass es mitten am Tag ist. Die Sonne scheint dann gerade mal durch die kleine Öffnung der Schlucht hinein.