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Auf verschlungenen Wegen nach Baracoa im Osten Cubas

Juli 24, 2017

Baracoa liegt am östlichen Ende von Cuba. Der Weg hierher dauert, ist fast ein bisschen abenteuerlich. Dafür ist man plötzlich in einer anderen Welt: Keine allzu großen Touristenströme, sondern Leute, die sich aufs Land einlassen. Umgeben ist Baracoa von Bergen, der mit Regenwald bedeckt sind, an denen die letzten Wirbelstürme leider reichlich gezerrt haben.

Eine Stadt am Honigmund, die Kaffee und Schokolade inhaliert und einen veritablen Tafelberg besitzt. Und die, wenn alle (Verkehrs)stränge reißen, sich immer noch selbst versorgen kann: Klingt nach Paradies? Ein bisschen hat man das Gefühl, in ebenjenem zu sein, wenn man nach langer Busfahrt über die steilen Pässe der Sierra de Purial in Baracoa ankommt.
Die Stadt liegt an der Boca de Miel oder Bahía de Miel – Honigbucht oder Honigmund eben. Erstes Anzeichen, dass man in einer Region ist, in der Milch und Honig fließen, ist das Angebot von Cucuruchos. Diese Süßspeise wird schon bei einem Stopp an der Passstraße angeboten werden. Dabei handelt es sich um eine Süßspeise aus Kokosnuss, Honig, Ananas, Guave und vor allem: ganz viel Zucker. Gewickelt wird das Ganze in einen spitzen Kegel aus Palmblättern, hat also die Form wie ein klassisches Cornetto-Eis im Freibad. Schmeckt reichlich süß und für meinen Geschmack ein bisschen zu viel nach Banane.

In Baracoa angekommen, merkt man schnell, dass die Uhren hier anders ticken als sonst in Cuba. Taxis werden hier mit Muskelkraft betrieben. Im teuersten Hotel kann jeder im Pool baden, auch wenn er hier nicht wohnt. Wenn man den steile Hang zum Hotel El Castillo erklimmt, hat man von oben einen großartigen Blick auf Stadt und Bucht.

Emilio, der mit seiner Familie hier ist, erklärt mir mit untrüglichen Handzeichen schnell, worauf es ankommt in Cuba: Vier Geliebte habe er – neben seiner Frau. Das gehört so, meint er. Nun ja, dass diese Land eine andere Sexualkultur hat, weiß man bald, wenn man sich ein bisschen umschaut. Erfreulicherweise profitieren davon aber nicht nur Männer und das gute und leichte Leben wird auch Menschen jenseits der Heterosexualität zugestanden. Ich werde in meinen drei Tagen Baracoa gleich Zeuge eines Queer Festivals. Eine kleine Parade, spontanes Singen, Get-together und Konzerte in den Straßen bis spät in die Nacht und informelle Partys bis in den frühen Morgen.

Ich muss mich leider irgendwann verabschieden – ich muss morgen El Yunque besteigen. Der Tafelberg überragt Baracoa zwar nur um 600 Meter. Aber er hat eine charakteristische Tafelform. Diese Form sorgt dafür, dass Baracoa bis heute für sich in Anspruch nimmt, erster Ort zu sein, an dem Kolumbus 1492 cubanischen Boden betrat. Denn der Seefahrer berichtet von einer Naturbucht, über der sich ein tafelförmiger Berg erhebe. Nun liegt man seitens Baracoa im Streit mit Bariay in der Provinz Holguin, was denn nun wirklich der Ort war, in dem Kolumbus Kubanischen bBoden betrat. Wahrscheinlich haben die …. aber recht. Einen tafelförmigen Berg haben sie in Bariay auch und obendrein die Lage von Kolumbus beschriebene Lage an einer Bucht mit vielen Bäumen. Da der Tafelberg, den Kolumbus sah, aber eienn Sattelartigen Einschnitt hat, war der Eroberer wohl eher dort. Doch, ganz ehrlich: Müsste man stolz auf die Landung der Eroberer oder Entdecker sein, die für Cuba und den Rest des Kontinents ja alles andere als nur positive Folgen hatte?

Um El Yunque zu besteigen, muss ich erst einmal ein bisschen Jeep fahren. Der Paradeberg protzt nicht ganz so mit seiner Präsenzhält sich gegenüber Stadt und Küste ein bisschen im Hintergrund und protzt nicht ganz so ar: Am Ende der Straße warten dann die Pforte (Eintritt bezahlen) und Fernando auf mich, mein Führer. Eintritt und Fernando kosten aber zusammen nur etwa 15 Euro – und Fernando wird mich immerhin fast 5 Stunden lang begleiten. Zunächst nötigt er mich, eine 2. Flasche Wasser zu kaufen, da er meint, meine Eineinhalb-Liter-Flasche reiche nicht aus. Er soll später recht behalten, wenn auch nur knapp.

Erstmal geht es gemächlich bergauf, dann heißt es bald: Fluss durchqueren. Waten bis zur Brust – Nature-Feeling. Die steilen Flanken von El Yunque grüßen schon.

Hinter dem Fluss Rio Duaba steigt der Weg dann deutlich an. Es dauert nicht allzu lang und ich merke die Anstrengung. Schließlich geht es bei 33 oder 36 Grad, hoher Luftfeuchtigkeit und senkrechtem Sonnenstand steil bergauf. Normalerweise, sagt Fernando, würden wir hier hübsch im Schatten eines dichten Blätterdachs gehen, doch im Herbst 2016 hat Hurricane Andrew einen Großteil der Bäume niedergemäht. Nun also: Volles Brüten. Als wir an einer Pausen-Hütte ankommen, läuft mein Kreislauf nicht mehr ganz rund. Viel trinken, ein bisschen Schatten und das Mark einer Kokosnuss, die Fernando aufschneidet, stärken mich wieder.
Dann geht’s weiter zum ‚Gipfelanstieg‘. Auf dem Weg zeigt mir Fernando manch endemische Pflanzenart und einen ziemlich giftig aussehenden Tausendfüßler.

Den restlichen Aufstieg schaffe ich ohne weitere Kreislaufprobleme. Wahnsinn! Obwohl: noch nicht mal 600 Höhenmeter. Oben hat man einen ziemlich beeindruckenden Rundum-Blick, außer Baracoa ist keine Besiedlung zu erkennen.

Nach Genießen des Rundblicks und ausreichend Verschnaufen fängt es nun ein bisschen an zu regnen und wir machen uns auf den Rückweg. Nach zweiter Flussdurchquerung geht es nun wiederum den Berg leicht hinauf. Dann muss erneut der Fluss durchquert werden, dieses Mal ist das Wasser noch tiefer. Dann noch ein bisschen über Felsen bergauf, zu einer kleinen Kaskade mit Naturpool: Charco de la Piña. Herrlich, darin zu schwimmen, immer wieder auf den Wasserfall zu. Ich liebe diesen Kontakt unmittelbar mit Naturkräften. Und immer, wenn ich ihn habe, danke ich mir: Wie blöd, dass ich so etwas nicht öfter mache: mich den Elementen aussetze, gegen Störungen anschwimme, beim Bergwanderin verausgabe, tauche, in großer Höhe wandere usw.

Schließlich Rückweg, mein Fahrer Aurelio, der Onkel von meinem Host Pepe, lacht: „Haha – Wie lange hat das denn gedauert.“ Haha, ich hab alles gegeben, Mann! Jedenfalls ist der Tag fast vorbei, ich mache heute nichts weiteres mehr . Zuerst war angedacht, noch nach Yumurí zur landschaftliche spektakulären Mündung des gleichnamigen Flusses zu fahren.
Auf dem Rückweg nehmen wir drei Abiturienten aus Bayern mit: Sind alle auf eineinhalbjähriger Reise durch Mittel- und Südamerika und feiern zwischen zwischen dem zielloserem Herumfahren viel. Ein Hoch auf die Jugend.

Die drei treffe ich auch spät nachts wieder bei einem Kulturfest – man feiert gerne und oft in Baracoa. Ich muss leider wieder weit vor Ende der Party ins Bett, denn ich will am nächsten Tag noch nach Yumurí. Die Boca de Yumurí, die Mündung des gleichnamigen Flusses ist ziemlich spektakulär. Zu dritt will ich mit Scott aus Schottland und Marianne aus Australien dorthin. Der Fluss zwängt sich durch 200 Meter hohe Felswände hindurch.

Am eindrucksvollsten wird an diesem Tag jedoch eine ganz unverhoffte Begegnung. Während wir wegen Regens in einem Restaurant Pause machen, gehe ich wenigstens ein bisschen am Strand spazieren und sehe ein kleines Haus. Plötzlich steht da ein Mann in Badehose und zeigt schüchtern auf seine bescheidene Behausung. Ich nicke, als er ein zweites Mal auf sein Haus deutet, gehe ich einfach mal langsam zu ihm hin und werde hinein geführt. Er heißt Wilder und stellt mir gleich seine Mutter Aurelia vor. Die beiden leben hier offensichtlich gemeinsam in zwei Zimmern. Wilder ist 50, Aurelia 63 Jahre alt.
Ich bekomme einen Kaffee gemacht. Und ich soll fotografieren, ausdrücklich erwünscht, und zwar sie beide in ihrem Zuhause . Der Plan: ich mache schöne Fotos und in ein paar Jahren komme ich wieder, um den beiden Abzüge zu bringen. Dazu zeigen sie mir etwas vergilbte Fotos von anderen Leuten aus Deutschland, die genau dasselbe schon getan haben. Ein bisschen plaudern wir, es ist nett und von ehrlichem Interesse geprägt, auch wenn wir natürlich noch allzu viele Themen haben. Ich muss bzw. darf hier selbstverständlich nichts für den Kaffe bezahlen.

Als ich gehe, kommen mir beinahe die Tränen. Gerade sehr einfach lebende Menschen wie diese zwei schenken einem etwas. Was die sogenannte zivilisierte Welt von ihnen lernen könnte…

Am Abend, meinem letzten in Baracoa, genieße noch ein bisschen die schwülwarme Luft unter dichten, tief hängenden Wolken. Es sieht fast bedrohlich aus. El Yunque ist in der Ferne unter den Wolken verborgen, die drückende Luft hält mich gefühlt fest umschlungen. Ich liebe solche Wetterstimmungen. Das Fehlen von Sonnenlicht macht das Hier und Jetzt klarer, es lässt einen mehr auf den Ort fokussieren und die warme Luft auf der Haut fühlt sich grandios an.

Baracoa ist für mich mit das Highlight auf Cuba. Schöne Landschaft, das stärkste Tropenfeeling, supernette Menschen, zudem gibt es hier auch keine agressiven Anbieter von Taxis und Casa Partikulares. Mit Wehmut packe ich meine Sachen und beschließe, auf jeden Fall wieder zu kommen.

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Bretagne

Juli 12, 2015

Ich hab‘ mich das ja schon immer gefragt – wie die Leute an schönen Sommerabenden einfach so in ihren Häusern verschwinden können. Gänzlich verrückt ist, dass viele das nicht nur in heimischen Landen tun, sondern auch im Urlaub. Während also an wunderschönen Küsten die Sonne sich langsam gen Horizont sinkt, sitzen diese Menschen beim Abendessen und anschließend gibt’s noch ’ne Runde Brettspiele oder TV, nun ihr Kinder müsst dann leider mal ins Bett. Was all diese protestantisch-disziplinierten Transzendenz-Verächter und Romantik-Hasser verpassen, kann kaum beschrieben werden. Na gut, haben wir das halt für uns. Die Stimmung unter abendlichen Himmel ist mitunter unbeschreiblich schön, zumal wenn man sich als Destination eine Region ausgesucht hat, von der aus man qua Nomen des Abends aufs offene Meer schaut. Finistère – am Ende der Welt meinte man hier zu sein – damals, bevor man von Amerika hörte. Hier ging die Sonne schon immer zuletzt unter von allen Orten auf dem europäischen Festland. Das merkt man auch heute daran, dass es erst um Mitternacht dunkel wird. Gut, nordische Mittsommernächte sollen nun mal unberücksichtigt bleiben.

Wir jedenfalls voll so Sonnenuntergang zelebriert, auch da, wo man den gar nicht genau sehen konnte, weil irgendwelche Landzungen störten. Die Halbinsel Crozon jedenfalls ist zerklüftet, Buchten wechseln sich immer wieder mit wellenbrechenden Klippen ab, unser Ferienhaus lag oberhalb einer Bucht, die nach Südwesten zeigt, die Sonne ging also hinter einem Höhenzug unter. Aber wen störst?! Die Lichtstimmung einmalig, auf der Pointe de Penhir bei Cabaret-sur-mer kann man dann auch den Sonnenuntergang bewundern. Oder man fährt dafür an die Granitküste im Norden der Bretagne. Es sind nur drei Stunden mit dem Auto. Dort kann man die untergehende Sonne zwischen großen Felsblöcken und kleinen aus dem Meer herausragenden Dino-Rücken sehen. Bei Plougrescant findet man dann auch dieses pittoreske Häuschen, das zwischen Felsen eingeklemmt ist und das jeder schon mal gesehen hat. Das ist schön, aber wer hat das Auto davor gefahren? Das wirkt als sei alles nicht ganz durchdacht, so vom Romantik-Aspekt her. Insgesamt ist diese Granitküste noch ein bisschen mehr Bilderbuch als alles andere, was sich auch in den fast übertrieben süßen Häuschen zeigt, sie ist aber auch weniger vielfältig als die Westspitze des Landes. Bei Crozon wechseln sich – wie gesagt – Felsenriffs und lange Sandstrände ab. Die Buchten ähneln, zumindest bei Ile Vierge, den schönsten am Mittelmeer. Auf der anderen Seite am offenen Atlantik hat man die wilden Wellen des Ozeans. Sich hineinzustürzen ist ein Riesenspaß. Freilich dar man das eigentlich nicht.

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Amalfiküste

November 4, 2014

November: da kann noch mal schönes Wetter sein, es kann regnen – echt fieses Herbstwetter sein. Es kann auch bereits richtig Winter sein. Schließlich kommt man aus Deutschland. Und dann fährt man nach Süditalien und erlebt während der Reise… alles soeben Genannte, in mehrfachem Wechsel. In Rom noch einmal richtig Sommer, T-Shirt Wetter. Zuletzt überquert man die Bergkette, die den Küstenabschnitt bei Amalfi gegen Norden abtrennt und dabei fährt man durch einen nieseligen Nebel, der einen die Hand vor Augen kaum erkennen lässt, geschweige denn die Ziegen auf der schmalen Straße…. Die ist dabei so schmierig geworden, dass man mit dem Auto Pirouetten dreht, gegen die bergseitige Straßenseite abdriftet und gegen einen Felsen knallt. Wäre es die andere Seite gewesen, könnten hier womöglich keine Fotos vorgestellt werden…

Dann ist man an diesem exklusiven Ort, der sich die meiste Zeit des Jahres als Touri-Hölle präsentiert. Jetzt hat man ihn beinahe mit den Bewohnern alleine, meint man. Wenn man es so klug anstellt, dass man tagsüber die kleinen Dörfer am Meer meidet – nicht mal bewusst, sondern, weil es bei Wanderungen über die steilen Berge vieles zu entdecken gibt, dann bleibt der Eindruck bestehen. Man verpasst dann in den Orten tagsüber auch im November ganze Busladungen deutscher, japanischer oder amerikanischer Touristen, die alles im Schnelldurchlauf meistern – Respekt! Abends kehrt man in einen nur spärlich heimgesuchten Ort zurück.

Das launische Wetter und die wenigen Besucher, das erzeugt mitunter faszinierende, mystische Stimmungen in den steilen Hängen oberhalb des Meeres mit den vielen kleinen Dörfern und Häusergruppen, die sich in die teilweise senkrechte Landschaft einfügen. Nebelschwaden durchziehen die steilen Berge, dann und wann werden sie vom Sonnenlicht durchdrungen. auch um diese Jahreszeit bietet sich eine üppige Vegetation,auf vielen Gebäuden liegt eine Patina aus abgebröckeltem Putz, der ihnen erlaubt, Geschichte und Geschichten zu erzählen.

Hat man den Ort Amalfi einmal, vom Meer kommend, der Länge nach durchschritten, geht es nur noch die steilen, aber üppig bewachsenen Bergflanken hinauf. Den Weg aus unzähligen Treppenstufen führt immer wieder durch Mini-Siedlungen mit wenigen Häusern, bei denen jeweils ein Garten auf kleinster und der senkrechten Geografie abgetrotzter Fläche mit wahnsinniger Vielfalt an Anbaupflanzen gedeiht.

Die schwierige geografische Lage und das milde Klima begünstigten diese Tradition, die heute in guten und in wirtschaftliche schwierigen Zeiten diese Selbstversorgung erlaubt. Damit dürfte es freilich bald vorbei sein, wenn der Anbau aller möglicher Nutzpflanzen auch für den privaten Bedarf unter Strafe gestellt wird (die EU wollte dies bereits 2013 auf den Weg bringen). Wenn jedoch die Patentierung aller Nutzpflanzen abgeschlossen ist und der „Regulatorische Rat“, wie er im Transatlantik-Freihandelsabkommen vorgesehen ist, diese Ideen zu Gesetzt macht, müssen auch die Besitzer von kleinen Gärten jedes Stück Gemüse im Supermarkt kaufen. Wenn ihnen dazu mal das Geld fehlt, weil die extreme Topografie auch mächtig kostet bei der Infrastruktur, kann ja ein Rettungspaket helfen, freilich nur mit der Auflage von Verramschung öffentlichen Raums an private Investoren. Wäre ja auch zu schön… Mit der Pflanzenvielfalt hier wird es dann allerdings auch vorbei sein.

Zurück zu den Dörfern im Hinterland von Amalfi. Man steigt immer höher und die Dörfer werden zunehmend trutziger. Alle weiter oben gelegenen Weiler haben mindestens einen kleinen Wehrturm. Man steht hier oben, blickt an den wehrhaften Türmchen vorbei auf das nahe Meer und registriert, wie in dieser bilderbuchhaften Landschaft nahe dem Mittelmeer sich vor Jahrhunderten zwischen den Dörfern bekriegt wurde – wie im gebirgigsten Kurdistan. Man möchte sich dabei vorstellen, wie zwischen den Dörfern auf in Pfeif- oder Kelllautsprache oder auf sonst irgendeine verrückte Art kommuniziert wurde – vielleicht über das Tal hinweg – und wie des erst recht Spaß gemacht haben muss, als Kinder sich über die ferne zu verständigen, wo man sich trifft – an einem dritten Ort in der steilen Landschaft, den es dann als erstes zu erklimmen gilt. Wer den Roman „Der Baron auf den Bäumen“ von Italo Calvino gelesen hat, muss hier daran denken – auch wenn die Handlung darin in Ligurien spielt.

 

 

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Essaouira – ça ira

Mai 14, 2010

„Agadir – rien à dire, Essaouira – ça ira, Marrakesch – l’arnaquech, Tanger – danger“. So lautet eine beliebte Redewendung in Marokko. Wie viel Tiefsinn auch immer darin stecken mag, Essaouira ist jedenfalls die einzige Stadt, die dabei irgendwie gut wegkommt. Tatsächlich fühlt man sich in dieser weißen Stadt am Meer bisweilen verzaubert. Die Häuser, die teilweise auf der Stadtmauer hängen und den wilden Wellen des Atlantiks ihre massiven und in dunklen Farbtönen gehaltenen Außenseiten zuwenden, wecken Erinnerungen an kindliche Vorstellungen von Seeräuber-Nestern. Das lässt sich besonders gut auf der Stadt vorgelagerten Felsbänken wahrnehmen, auf denen man herumklettern kann. Innerhalb der Stadtmauern ist alles sehr eng, in den verschlungenen Gängen und Gassen, die oftmals unter den Häusern hindurchführen, verläuft man sich schnell. Im Gegensatz zu Marrakesch ist Essaouira ein Dorf, alles Luft recht gemütlich ab. Man kann sehr gemütlich zwischen den weißen Häusern herumschlendern, sich den starken olfaktorischen Reizen des Fischerhafens aussetzen. Abends speist man hervorragend in einem der Restaurants, die sich in jüngerer Zeit im Bereich eines erhöht gelegenen Stücks Stadtmauer etabliert haben und zum Teil gehobenen Ansprüchen genügen.