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Stadtlust

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Tanzen gegen den Verfall: Havanna

Juli 26, 2017

Kuba – das ist für viele Menschen ein Sehnsuchtsland. Ich gehöre zu ihnen – schon seit mehr als zehn Jahren steht das Land ganz oben auf meiner Must-do-Liste des Reisens. Bröckelnde Fassaden, die morbide Romantik verströmen, Oldtimer, das gute Leben, Tanzen, Mojito. Und jetzt hab Ichs endlich geschafft, herzukommen. Und hoffe, dass meine Vorstellungen nicht allzu weit von der Realität abweichen. Schließlich ist auch Kuba schon länger nicht mehr aus der Welt gefallen und auch hier zählt es, Mythen und Träume teuer zu verkaufen. Zunächst heißt es: Sieben Tage Havanna, ganz in Ruhe die Stadt erkunden. Continue Reading…

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Wüstenstadt Yazd und ein Heiligtum im Nirgendwo

Juni 1, 2017

Yazd liegt ziemlich genau in der Mitte des Iran und ist eine der sehenswertesten Städte des Landes. Die landschaftlichen Dimensionen sind andere als in Europa. Drumherum ewig weite Wüste und ein paar hohe Berge. Die Stadt aber hat eine angenehme Größe, es geht hier alles ganz entspannt zu.

Wenn man von Isfahan kommt und denkt, Yazd liegt ja fast genauso hoch, wird schon nicht zu hot werden: Pustekuchen – hier herrscht Wüstenklima! Das ist abends richtig angenehm, ich liebe es, abends bei Temperaturen jenseits 20 Grad durch die Straßen zu schlendern. Optimaler Tagesausklang in einer solchen Stadt findet in einem der zahlreichen Restaurants mit Dachterrasse statt. Es ist ja immer nur ein Stockwerk zu erklimmen. Da sitzt man dann auf einer der Pritschen mit ausgelegten Teppichen und speist im Scheidersitz vom Tablett neben sich.

Tagsüber Ende April: Große Hitze.

Ich schaffe es daher tatsächlich, früh aufzustehen und vor dem Frühstück schon einmal die Umgebung zu erkunden. Um 8 Uhr gehe ich durch die stillen engen Gassen der Altstadt und genieße, wie die Morgensonne harte Schatten hinein wirft.

Die Häuser sind einstöckig und aus Lehm gebaut. Der erste Eindruck, es handelt sich um eine vorsintflutliche Bauweise, täuscht allerdings gewaltig. Nur nach außen sind die Häuser einfach. Hier und da, wo sich eine Tür öffnet, sieht man, dass sich im Innern einiges an moderner Technik verbirgt. Schon, wenn jemand vor einer Tür steht und selbige öffnet sich scheinbar elektrisch, wird das deutlich.

Charakteristisch für Yazd und faszinierende Zeugen der klimatischen Extremlage sind die Windtürme. Zig solcher Konstruktionen recken ihre von Nischen geprägten Hälse gen Himmel und geben ein hübsches Wüsten-Manhatten-Bild ab. Bevor die technische Moderne mit ihren Kühlmethoden einzog, fing man mit diesen Türmen den Wind ein, um ihn zur Kühlung der Häuser und der um Untergrund liegenden Wasserreservoirs zu nutzen. Was für eine schöne Vorstellung: Den Wind einfangen…

Das Wasser in der Tiefe ist dann auch eine weitere technische Errungenschaft früherer Zeiten, die uns Heute-Menschen Achtung abverlangt. Yazd liegt auf etwa 1.200 Meter Höhe, das nahe Shirkuh-Gebirge bringt es auf über 4.000 Meter. Auch Ende April liegen da oben noch Reste von Schnee. In antiker Zeit baute man Kanäle von den Bergen in die Stadt, die sogenannten Qanats. Oft verlaufen die über 50 oder mehr Kilometer, stets leicht abschüssig. Man sieht ihren Verlauf anhand aufgeworfener Erdwälle in der Wüstenlandschaft rund um die Stadt. Auch aus östlicher Himmelsrichtung, in der nur trockene mittelhohe Berge liegen, führen Qanats nach Yazd. Dazu muss man wissen, dass es zu antiker Zeit viel weniger trocken hier war. Laut Gründungslegende der Stadt wurde sie an einem großen See angelegt – wo der mal war, ist nicht mehr zu erahnen.

An einigen Stellen kann man zu den Qanats heruntergehen, dorthin, wo die Menschen früher ihr Wasser aus der Tiefe holten. Das sind dann gut und gerne mal 300 Stufen. Steile Stufen! Lange bleibe ich da unten nicht – es wimmelt von stechenden Viechern.

Die architektonisch auffallendste und wohl auch bedeutendste Moschee ist die Jame-Moschee mit zwei sehr hohen und grazilen Minaretten. Ihr Portal ist das höchste aller Moscheen im Land. Im Innenhof, vor allem auf der Südseite des Innenhofs kann man gut im Schatten relaxen.

Die dominierende Kuppel gleich in der Nachbarschaft gehört zu keiner Moschee, sondern dem Mausoleum von Rokn ob-Din, der im 14. Jahrhundert die Jame Moschee und andere Bauten beauftragte.

An der Nordseite des Innenhofs geht es zu einem der tiefen Qanats hinunter.

Logisch, verfügt Yazd auch über ein Wassermuseum. Das stellt sehr anschaulich die antike Ingenieurkunst und ihre Wiederentdeckung in den letzten Jahrzehnten dar, man kann auch zu einem scheinbaren Qanat herabsteigen.

Chak Chak – Das klingt schon so schön

Von Yazd fährt man etwa eine Stunde nach zum Zoroastrischen Heiligtum Chak Chak. Über den größten Teil der Strecke gibt es nichts. Bergketten am Horizont machen sich aus wie eine Fata Morgana. Mein Fahrer muss wahrscheinlich 150 auf der Landstraße fahren, sonst würden wir wahnsinnig werden, da die Berge nie näherkommen.

Eine Autopanne wäre unangenehm. Chak Chak liegt versteckt an einem Talschluss, unterhalb einer steilen hohen Felswand. Die Lage passt perfekt zur Legende um das Heiligtum.
Dazu sei etwas weiter ausgeholt: Yazdegerd III war der letzte Herrscher (Großkönig) Irans in präislamischer Zeit. Er gehörte dem Zoroastrischen Glauben an. Als 640 die Araber einfielen, flüchtete seine gesamte Familie, strategisch klug in verschiedene Himmelsrichtungen. So konnten die Verfolger vielleicht mancher habhaft werden, aber eben nicht aller. Eine Tochter des Königs, Nikbanou, floh in die Wüste. Die arabischen Häscher schon auf den Fersen, ging sie in ein Felstal in die Falle, dessen Flanken unüberwindbar waren. Dass man die Felsen um Chak Cha nicht hinauskommt und somit in der falle sitzt, kann hier jeder Besucher bestätigen.

In ihrer ausweglosen Lage bat sie Aura Mazda, den Gott der Zoroastrier, um Hilfe. Und siehe da: Der Berg öffnete sich und Nikbanou konnte hineinschlüpfen. Ob auch hindurch oder ob sie ab dann im Felsen festsaß, da bleibt die Legende im Unkonkreten. Jedenfalls steigt man einige hundert Stufen zum Heiligtum hinauf und trifft oben unter einem Felsvorsprung auf einige Schüsseln. Darin werden die Tränen von Nikbanou aufgefangen – wahrscheinlich sitzt sie also tatsächlich im Felsen fest, mit dem Lebenszeichen funktionierender Drüsen. Ein großer, weit verzweigter Baum neben dem Heiligtum ist übrigens ein Stock, den die Unglückliche hier stehen ließ.

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Isfahan – Oasen-Großstadt im zentralen Hochland des Iran

Mai 11, 2017

Ein „Spiegel des Paradieses“ sollte Isfahan sein. Ganz und gar nicht bescheiden planten die Safawiden die Stadt, die Persien von 1501 bis 1722 beherrschten und Isfahan zur Hauptstadt machten. Prachtvolle Gebäude wurden errichtet, Gärten angelegt und die klügsten Leute von weit und bereit angelockt. Vieles vom beeindruckenden Ergebnis kann man heute noch besichtigen.

So riesig wirkt er eigentlich gar nicht, der Meidan-e-Imam, denke ich bei mir, auf dem Balkon des Ali Qapu-Palasts stehend. Doch der Imam-Platz ist der zweitgrößte städtische Platz der Welt, nur getoppt vom Tien’anmen Platz in Peking. Dass man ihm das nicht ansieht, liegt wohl an der aufgelockerten Struktur des Platzes. Rund um das zentrale Wasserbecken, in dem viele Menschen ein Teilkörperbad nehmen, liegen symmetrisch angeordnete Rasenflächen, Hecken, einzelne Zierbäume. Den gesamten platz kann man wunderbar vom Balkon des Palasts – der „Hohen Pforte“ überblicken.

Die Dimension des Platzes überblickend, will ich eigentlich gar nicht weg und könnte mich ohne weiteres den ganzen Tag hier aufhalten. Der Palast ist aber auch im Innern sehenswert. Allein das Musikzimmer ist mit seinen zierenden Wandeinlassungen, die den Klang der musikalischen Darbietungen verbessern halfen, einBeispiel für orientalische Pracht.

Abends verwandelt sich der gesamte Meidan-e-Imam in eine riesige Picknick-Fläche. Familien nehmen die Rasenflächen wir selbstverständlich ein und sitzen, essen und trinken bis spät in die Nacht hinein. Die Nacht hat dabei auch im Mai bereits angenehme Temperaturen. Überall erklingt Musik – unterschiedlichster Richtung, machmal durchaus ganz westlich-moderne Klänge. Doch die Moscheen, Arkadengänge auf allen Seiten sowie der Ali Qapu-Palast sind derart effektvoll angestrahlt, sodass das Märchen aus 1001 Nacht im Prinzip in jeder Nacht greifbar ist.


Der Imam-Platz bildet das Zentrum von Isfahan, um den Platz herum stehen die wichtigsten Bauwerke. Die Imam-Moschee liegt am südwestlichen Ende, damit die Gläubigen exakt Richtung Mekka beten können, ist der Innenraum geschickt gekrümmt angelegt.

Zunächst muss man aber auch als Gläubiger den Weg durch den Innenhof antreten. Einige Touristen stehen hier und staunen. Dann falle ich aber selbst vom Glauben ab: Im Innenhof der Moschee, direkt vor dem Gebetsraum ertönt laut aus einem Ghettoblaster: „No no, no no no no, no no there’s no limit!“ Für Aufruhr sorgt das hier nicht gerade.

Gegenüber des Platzes vom Palast Ali Qapu aus gesehen, liegt die Lotfullah-Moschee mit beigefarbenem Kuppelbau…

Am Nordende des Imam-Platzes beginnt der große Basar, der wie alle Bauten am Platz, von Schah Abbas zu Beginn des 16. Jahrhunderts geplant wurde. Wer die wuselige Atmosphäre in arabischen Barasen kennt, wird hier verwundert sein ob des relativ geordneten und überschaubaren Areals.

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In den Straßen von Tbilisi

April 11, 2015

Die Straßen der Altstadt sind eng und von niedrigen Häusern gesäumt. Einige davon sehnen sich sehr nach Renovierungsarbeiten. In vielen Häusern meint man nicht, hier könne noch jemand wohnen und teilweise ist das dann auch nicht mehr der Fall. Es beschleicht einen der Eindruck, dass hier nur darauf gewartet wird, bis die alte Bausubstanz in sich zusammenfällt und man in einer   Disney-artigen Verballhornung der alten Architektur neue Bauten hochziehen kann, die nurmehr eine schwache Reminiszenz an das Alte zeigen. Das ist leider in Tbilisi an vielen Orten geschehen. Neue Straßenzüge wurden hochgezogen, denen man außen Holzbalkone angefügt hat, die an die historischen Originale erinnern sollen. Im zentralen Teil der Altstadt ist ein historisches Ensemble noch unverfälscht zu sehen.

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Über den Dächern von Marrakesch

April 17, 2014

Die Gassen der Medina von Marrakesch sind eine Herausforderung für alle Sinne. Trotz der Touristenströme findet man ihr noch immer das pralle, wuselige Leben des Orients. Laut und eng ist es – alles drängt in den engen Gassen aneinander vorbei, die Marktschreier und Geschäftsleute bieten ihre Produkte nicht eben still an. Bunt ist es – Stoffe, Gewürze, andere Produkte in mannigfaltigen Farben liegen aus, dazu die Häuser in warmen Farben und ihre Türen. Gewürzstände sorgen für intensive Gerüche. Elias Canetti beschreibt in „Die Stimmen von Marrakesch“ die Forderung aller Sinnesorgane – Farben und Gerüche im Souk, die Rufe der Blinden.

Will man der Hektik entkommen, steigt man ihr am besten auf’s Dach – von oben sieht man alles mit anderen Augen, vor allem mit mehr Ruhe. Hinauf geht es durch den Innenhof der Riads, wie die traditionellen Häuser mit Innenhof heißen, wobei der Innenhof – oft mit Springbrunnen – manchmal auch ein kleiner Garten sein kann, der auf allen vier Seiten gegen die Außenwelt abgeschirmt ist. Rund um diese privaten Oasen herum führen dann die Treppen nach oben. Praktisch alle Dächer sind flach und auf vielen ist eine Terrasse eingerichtet, von wo aus man dann die Dächerlandschaft aus wieder einem anderen Winkel betrachten kann. Viele der Terrassen gehören freilich zu einem Hotel, wobei auch günstigere Unterkünfte über diese Annehmlichkeit verfügen. Mitten am Tag wagt sich außer im Winter wohl niemand hier hoch, am späten Abend, wenn es angenehm kühl wird, sorgt das Licht mitunter für eine magische Stimmung. Dafür sorgt auch das Atlas-Gebirge, das aus der Ferne grüßt. Die bis in den Mai schneebedeckten Gipfel liegen näher als die Alpen an München. Die unübersichtliche Dächerlandschaft sieht an vielen Stellen noch so aus wie zu Zeiten als eine ganze Riege westlicher Bohèmians Marrakesch bevölkerte. Die Autoren der Beat Generation sahen hier im Spannungsfeld zwischen westlichen Exotik-Vorstellungen und einer archaischer Welt den natürlichen Ort für Ausschweifungen jeglicher Art – siehe „Naked Lunch“ von William S. Burroughs. Heute bezeugen über den Dächern höchstens unzählige Satellitenschüsseln, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden. In manchen Viertel hängen Teppiche über den niedrigen Hausdächern – ein praktischer Aufbewahrungsort für die großflächigen Produkte, die für den Verkauf im angeschlossenen Teppich-Souk vorgesehen sind.

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Georgien: Schönheit des Morbiden

Mai 31, 2013

Dies ist das Land, wo man Gold mit Hilfe von Schafsfellen aus den Flüssen förderte. Aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. stammen Funde von größter Schmiedekunst. Weit weg vom klassischen Griechenland – die Wege dürften damals beschwerlicher gewesen sein als heute – spielt das legendäre Land Kolchis eine wichtige Rolle in der griechischen Mythologie.

Die goldglänzenden Felle, die man in antiker Zeit dort fand und womöglich auch das ein oder andere schöne Stück mit nach Hellas nahm, verlangten schließlich nach einer plausiblen Erklärung. Und siehe da: Nephele, verbrämte Ex-Gattin von König Athamas von Böotien, einem kleinen Reich in Ostgriechenland, fürchtete um die Sicherheit ihrer Kinder, die dem Hass  von Kadmos, der neuen Frau des Königs, ausgesetzt waren. Auf ihr Bitten sandte man ihr Chrysomeles, einen Widder mit goldenem Fell, der ihre Kinder hinfort trug. Die Tochter Helle kam dabei abhanden, sie fiel ins Meer – nach ihr ist der Hellespont (heute Dardanellen) benannt. Den Sohn Phrixos jedoch konnte der Widder in Kolchis abliefern, wo er freundlich aufgenommen wurde. Zum Dank opferte man das Tier dem Gott Ares, sein goldenes Vlies aber wurde von Kolchis‘ König Aietes in einem Hain aufgehängt und von einem nimmer schlafenden Drachen bewacht.

Später raubten Jason und die Argonauten das Vlies mit Hilfe von Aietes‘ Tochter Medea – vermutlich der nicht rein mythologische Kern der Beziehungen.

Im Lande Kolchis aber dämmert gerade heute so einiges aus verschiedenen großen Epochen vor sich hin. Alte Häuser in Kutaisi halten Schönheitsschlaf. Das Grün wuchert dort ebenso wie an stillgelegten Fabriken aus Sowjetzeiten. Unrentable Betriebe aus Zeiten der Planwirtschaft sind allerorten zu besichtigen und verbreiten morbiden Charme. Nutztiere kennen hier den Wert des Individualismus und ergehen sich in Müßiggang.

In Kutaisi steht auch ein Denkmal für den armen Chrysomeles, es beherrscht einen weiträumigen Platz. Die Stadt drumherum ist eine Mischung aus orientalischem Basar mit hinreißenden global-gehandelten Billigprodukten, und altem Kurort mit klassizistischen Fassaden im Schatten grüner Hügel, die in der schwülen Hitze des Schwarzmeerklimas Abkühlung spenden. Auf einen Hügel mit einem altem Vergnügungspark führt gar eine Seilbahn hinauf, die wie so vieles hier Museumswert hat.

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Café Linville in Tbilisi

Mai 25, 2013

Urgemütlich und gleichzeitig ziemlich hipp sieht es im Café Linville aus. Man kennt das aus vielen Cafés in Berlin. Da sieht es jedoch oft ziemlich zusammengewürfelt aus, in anderen Läden reichlich gewollt. Hier stimmt jedes Teil, alles atmet den Odem vergangener Zeiten. Das fängt schon bei der Fassade des Eckhauses in der …-Straße an. Geht man die knarzende Holztreppe rauf, merkt man, dass hier alles wirklich ziemlich alt ist. Die kleinen Balkone zu zwei Seiten sind eng und wirken leicht brüchig, man sitzt nah an Baumkronen und abbröckelnden Fassadenputz-Elementen.  Drinnen ist alles entzückend romantisch-biedermeierlich.

Das nostalgische Flair zeiht nicht nur hippe Locals an, auch Filmcrews schauen vorbei, um hier zu drehen und bis in die Photo-Szene westeuropäischer Städte hat sich das Linville für seinen besonderen Charakter herumgesprochen. Das passiert natürlich nicht dauernd und so hat man tagsüber das Café oft fast für sic alleine.

Bleibt zu hoffen, das das Linville noch eine zeit lang dem Bau- und Erneuerungsboom in der Umgebung erwehren kann. Vielleicht weiß man ja, dass man hier eine echten Perle hat, einen Ort, der Atmosphäre in bester Form bietet und in Zukunft noch mehr Besucher anziehen dürfte.

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Rom

November 3, 2012

Rom ist einzigartig. Das wissen leider sehr viele Leute und so ist es nicht immer leicht, die Schönheit der Stadt auf sich wirken zu lassen, wenn tausende iphones und ipads neben einem in die Luft gehalten werden, um jeden einzelnen Moment der Ewigen Stadt für die eigene Ewigkeit festzuhalten.

Wer bei den Hauptsehenswürdigkeiten verzweifelt, dem sei empfohlen, zu Sonnenauf- und -untergangszeiten anzutreten. Dann liegen viele Besucher noch im Bett oder lassen sich die Touristenmenüs schmecken.

In-Viertel ist seit einigen Jahren Trastevere auf der westlichen Seite des Tiber. Hier gibt es keine Monumentalbauten, keine Haupt-Sehenswürdigkeiten. Die engen Gassen sind von niedrigen Häusern ohne viel Tand gesäumt. Das macht die Gegend natürlich umso pittoresker und damit auch interessant für touristische Zwecke. Auch in diesem „volkstümlichen“ Viertel können sich die meisten Einheimischen mittlerweile keine Wohnung mehr leisten und es herrscht der Fremdenverkehr. Gutes Essen bedeutet das nicht unbedingt. Zum Glück verweigern sich manche Lokalitäten dem Locken mit großen Abbildungen von schlechtem Essen und dessen Darreichung in Form von massentauglichen Einheitsmenüs.