Genuss-Orte

Schmucke Stuben auf dem Grat der Genüsse

November 1, 2017
Reise in die Südsteiermark zu Wein und Genuss

Die Südsteirische Weinstraße ist ein echter Panoramaweg. Wein und Jause im Buschenschank genießt man in Lagen, die mindestens zu einer Seite eine tolle Aussicht bieten. Ganz besonders ist mein Herz gewonnen, wenn ich in einer Stube mit historischem Interieur sitze und verwitterte Holzbalken den Himmel tragen. Zwei Beispiele, für die das Wort „urig“ im besten Sinne angebracht ist.

Köstliches aus der Küche, als Krönung: Kernöl und Kriecherl

Schönes Ambiente, gutes Essen und sympathische Wirtsleut: Passt irgendwie alles im Wirtshaus Schramm. Das Gemäuer war ein altes Winzerhaus und das sieht man ihm auch heute noch an. Die Landschaft betrachtet man durch kleinen Fenster. Mit der authentischen Holzbohlendecke und den roh verputzen Wänden kommt so auch abends Gemütlichkeit auf.

Warmes Licht und eine eben solche Atmosphäre prägen die Gaststube. Die vielen Sonnenblumen, die sie jetzt im Herbst schmücken, unterstreichen das und beleben zugleich. Teils schmückt hölzernes Mobiliar aus historischen Zeiten die Räume, teils ergänzen liebevolle Details die Gaststube.

Das Äußere passt wiederum perfekt zur Küche des Hauses. Denn hier wird hochklassig und gleichzeitig regional und saisonal gekocht. Herta Schramm nutzt beste Zutaten von den Landwirten der Umgebung. Die Karte ist übersichtlich – das zeugt davon, dass man sich hier auf die Kernkompetenzen konzentriert. Beiriedschnitte, Saiblingfilet aus heimischen Teichen sowie das typische steirische Backhendl stehen auf der Karte. Ein Genuss auch das Schweinefilet mit Schwammerlrisotto.

Räumliche Offenheit und die Nähe zur Theke prägen die Stimmung. Denn das wohlschmeckende Essen und die guten Getränke werden im Restaurant Schramm von herzlichen und kommunikativen Menschen präsentiert. Da wird auch mal ein Wein empfohlen, der mir bestimmt schmecke, da mir ja dieser und jener andere zuvor ja bereits mundete. So klappt das mit dem Wohlfühlen.

Das lässt erahnen, dass ich mein Urteil zumindest innerlich bereits fällte, bevor die fortgeschrittenen Weine an der Reihe waren. Die kommen selbstverständlich von Weingütern der Region. Das Spannende daran: Ist man schon ein paar Tage der Gegend, verbindet man mit manchen Namen einen bestimmten Ort, den man bereits erwandert oder zumindest gesehen hat. Das gibt dem Genuss eine weitere Dimension. Man trinkt förmlich ein Stück der herrlichen Umgebung. Mein Favorit hier: Roter Sernauberg – ein edler Granat zwischen den vielen Weißen.

Wo Steirer Köstlichkeiten servieren, da bleibt kaum ein Gericht Kernöl-frei. Auch nicht das Eis. Und das ist auch gut so. Schwer vorstellbar vielleicht, aber mitsamt den Kürbiskernen als Krokant wächst hier zusammen, was zusammen gehören darf.
Auf all die Köstlichkeiten zum Abschluss einen Kriecherl. Die Frucht, der dieses Wässerchen zu verdanken ist, nennt man in weiten Teilen der deutschsprachigen Welt auch Mirabelle. Aber ehrlich: Klingt Kriecherl nicht irgendwie besser oder zumindest lautmalerisch? Wichtig: beim Vokal Mund in die Breite ziehen, das „ch“ hart aussprechen. So wird das nach dem umfangreichen Mahl unweigerlich aufkommende Völlegefühl im Bauch förmlich zerhackstückelt.

Dabei ein kleines Gespräch mit Werner Schramm, der es genau wie ich schwer verstehen kann, dass viele Menschen bei dem, was sie über ihren Körper ziehen mehr Wert auf Luxus und Status achten, als bei den Dingen, die den Weg in den Körper finden. Zur Untermalung reicht er mir zum Abschluss naturtrüben Apfelsaft und Traubensaft aus der Gegend – so wie sie natürlich schmecken.

Auch außerhalb der von mir so geschätzten Gaststube ist es schön im Gasthaus Schramm: Die Terrasse liegt unmittelbar oberhalb steil abfallender Weinberge, man blickt über ein weites Tal auf die Hügel und Berge im Süden, die sich von hier aus gesehen malerisch übereinander türmen.

Gleich neben der Terrasse lässt sich zudem auf ein paar Liegestühlen chillen.

Altes Steinhaus

Noch etwas uriger sieht es im und rund um das Steinhaus des Weinguts Silly aus. Die gesamte Bausubstanz des alten Winzerhauses ist authentisch geblieben, mit Pergola-überdachter Terrasse. Hier ist allerdings kein richtiges Restaurant eingezogen, vielmehr gibt es hier zum Wein das, was Gerald Silly gerade anzubieten hat. Dabei achtet er darauf, dass es sich um beste saisonale Erzeugnisse der Region handelt.

Am historischen Herd in der Küche, die den Luxus des Einfachen versprüht, werden Kleinigkeiten wie Kaiserschmarrn oder ein Parmesan mit Isabellatraubengelee zubereitet.

Man kann diese Örtlichkeit aber auch für ein opulenteres Mehr-Gänge-Menü buchen.

Und so speist man in der gemütlichen Stube genauso gut wie auf der Terrasse mit wunderschönem Ausblick nach Slowenien. Wobei – wenn man ganz genau ist, befinden wir uns bereits auf slowenischem Gebiet. Die Südsteirische Weinstraße bildet hier die Grenze, aber das ist ohnehin nur unnötiges Randwissen und die Grenze nur auf Karten existent. Der ein oder andere Tisch steht auch auf dem Rasen unter Obstbäume.

Beide Lokalitäten bieten eine große Gastlichkeit und Genuss in individuellem Stil. Dafür sorgen Lage und herzliche Gastgeber, mit denen man über Wein, Landschaft und Weltgeschehen ratschen kann. Man hat das Gefühl, eine Entdeckung zu machen. Das historische Ambiente ist nicht bloß Fassade – mit ein bisschen Lack die Nostalgie bedient, sondern Authentizität in alten Gemäuern.

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